Fernschreibnetze

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Das erste öffentliche Fernschreibwählnetz der Welt wird am 16. Oktober 1933 von der Deutschen Reichspost zwischen Berlin und Hamburg eröffnet (1).

21 Teilnehmer in beiden Großstädten können über 5 Amtsleitungen durch Einsatz von Unterlagerungstelegraphie und Wechselstromtelegraphie selbstständig die Verbindung auf- und abbauen. Das von Siemens & Halske errichtete Vermittlungssystem ist ein Vorgänger des Systems TW 35 (TeilnehmerWählsystem 35) und konnte in wenigen Monaten aufgebaut werden, da Siemens bereits ausreichende Erfahrungen mit einem konzerneigenen Fernschreibwählnetz hatte (2).
Die Anlage untergliedert sich auf jeder Teilnehmerwählamt-Seite in:

  • Fernschreiber beim Teilnehmer, über Einfachstromleitung angeschlossen an das Amt
  • Relaisabschluß im Amt mit zwei Telegraphenrelais, die den Ruhestrom des Fernschreibers in Doppelstrom (+/-) für die Fernleitung umwandeln.
  • Vorwähler
  • Gruppenwähler
  • Leitungswähler (Hebdrehwähler im Einsatz)
  • Überträger zur Fernleitung

Alle angeschlossenen Fernschreibmaschinen (Hersteller Siemens & Halske) waren mit automatisch bei Beginn der Übertragung ablaufenden Namengebern ausgerüstet, die "Wer-da-Taste" existierte bereits ebenso wie entsprechende Lochstreifengeräte und das Fernschaltgerät mit Ruf-/Schlußtaste und Wählscheibe. Das Telegraphenamt Hamburg und das Haupttelegraphenamt Berlin waren für die Fernschreibteilnehmer zur Aufgabe von Telegrammen ebenfalls erreichbar. Die Gebühr für eine 6 Minuten Fernschreibverbindung betrug 1,80 RM im Gegensatz zur Telefongebühr von 1,80 RM für 3 Minuten

Die Deutsche Reichspost stand vor Errichtung dieses Selbstwählnetzes vor der Entscheidung eine der folgenden Betriebsformen anzuwenden:

  • Übertragung mittels Tonfrequenzverfahren auf Telefonleitungen (potentielle Gefahr der Störung der Telefonie)
  • Handvermittlungsbetrieb auf Telegraphenleitungen (personalintensiv, langsam im Betrieb)
  • Selbstwählbetrieb auf Telegraphenleitungen

Die Entscheidung für den Selbstwählbetrieb war wegweisend für die Fernschreibtechnik und ermöglichte der Wirtschaft und der Verwaltung den effizienten Einsatz eines neuen Kommunikationsmittels.
Bereits nach wenigen Monaten waren die beiden Anlagen ausgelastet und mussten erweitert werden - der ursprüngliche Versuchsbetrieb auf der Strecke Berlin-Hamburg stellte sich als großer Erfolg heraus, weshalb bereits im Juli 1935 das Amt Dortmund mit TW35-Technik in Betrieb ging und weitere Ämter in der Planung waren (3).

1937: 300-350 Teilnehmer im Selbstwählverkehr.
1939: 1000 Fernschreiber sind am Netz angeschlossen. Die Deutsche Reichspost erteilt gleichzeitig die Zulassung für das Teilnehmerwählsystem 39 (Nachfolger von TW 35), das bei der Deutschen Bundespost bis 1975/76 im Einsatz ist und zu diesem Zeitpunkt mehr als 100.000 Telexteilnehmer in Deutschland bedient.
1943: 2700 Teilnehmer
1945: 3000 Teilnehmer in Westdeutschland - kriegsbedingte Einstellung des Fernschreibwählverkehrs in Deutschland (4). Fernschreibmaschinen werden als Reparationsleistung in das Ausland abtransportiert.
1947: Mit ca. 240 verbliebenen Fernschreibmaschinen wird im September 1947 in Westdeutschland der Selbstwählverkehr wieder aufgenommen (4).

(1) Die Fernschreib-Vermittlungsanlage Berlin-Hamburg, Roßberg, E., Siemens-Zeitschrift Heft 2/1934, 64-67
(2) Das Fernschreibnetz des Siemens-Konzerns, Jipp, A., Siemens-Zeitschrift Heft 5/1931, 236-240
(3) Das deutsche Fernschreibnetz für Teilnehmerverkehr, Stahl, H., Telegraphen- und Fernsprechtechnik Heft 6/1935
(4) Siemens-Zeitschrift, 1964, 555ff